
Fühlerlehre 0,40 mm
Einzelblatt für Unterbrecherabstand und Luftspalt an Zünd- und Lichtspulen
Datenblatt ansehen →Anleitung · fühlerlehre
Die Fühlerlehre ist das einfachste Messwerkzeug in der Werkstatt und trotzdem das, mit dem die meisten Fehler passieren. Ein dünnes Stahlblatt mit eingeprägtem Maß, das in einen Spalt geschoben wird. Ob das Ergebnis stimmt, entscheidet nicht das Blatt, sondern deine Hand.
Hier lernst du den Aufbau, das richtige Messgefühl, das Kombinieren von Blättern und die vier klassischen Anwendungen am Mofa, Moped und Motorrad: Elektrodenabstand, Unterbrecherkontakt, Luftspalt an den Spulen und Ventilspiel am Viertakter.
Eine Fühlerlehre besteht aus gehärteten, geschliffenen Stahlblättern mit definierter Dicke. Das Maß ist auf jedes Blatt geprägt. Es gibt zwei Bauformen, die sich in der Werkstatt ergänzen.
Das Einzelblatt 0,40 mm ist auf einen Wert festgelegt. Es passt in den engen Raum unter dem Polrad und in die Grundplatte, wo ein Fächer im Weg ist. Für Zünd- und Lichtspulen an Hercules, Zündapp und Kreidler ist 0,40 mm das Einstellmaß, und für den Unterbrecherabstand ist es bei vielen Anlagen ebenfalls der Wert, den das Handbuch nennt.
Der Fächer mit 6 Blättern deckt einen Bereich ab. Die Blätter sind an einem Ende in einem Halter gelagert und lassen sich einzeln ausklappen. Damit misst du Elektrodenabstand, Ventilspiel und alle Spalte, deren Sollwert du nicht vorher kennst. Beide Ausführungen gehören in die Werkzeugkiste.
Ein Blatt der richtigen Dicke gleitet mit leichtem, gleichmäßigem Widerstand durch den Spalt. Werkstattleute nennen das saugend. Rutscht das Blatt ohne jeden Widerstand, ist der Spalt größer als das Maß. Musst du drücken oder das Blatt verbiegt sich, ist der Spalt kleiner.
Halte das Blatt flach und parallel zu den beiden Flächen. Kippst du es, misst du diagonal und liest zu klein ab. Bei federbelasteten Spalten wie dem Unterbrecherkontakt darf das Blatt die Feder nicht aufdrücken. Führe es deshalb ohne Druck nach vorn ein und zieh es langsam wieder heraus. Der Widerstand beim Herausziehen ist das Maß.
Wenn du unsicher bist, arbeitest du mit der Gut-Schlecht-Methode. Das Sollmaß muss saugend passen, das nächstgrößere Blatt darf nicht mehr hineingehen. Erst wenn beides zutrifft, stimmt der Spalt.
Fehlt ein Zwischenmaß, legst du zwei Blätter aufeinander. Die Dicken addieren sich. Zwei Blätter mit 0,20 und 0,15 mm ergeben 0,35 mm. Beim Kombinieren gelten drei Regeln.
Für den Luftspalt an Bosch-Anlagen bist du mit dem Einzelblatt 0,40 mm am schnellsten. Du musst dann nichts kombinieren und hast im engen Raum unter dem Polrad ein steifes, definiertes Blatt in der Hand.
Der Elektrodenabstand steht im Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs oder auf der Verpackung der Kerze. Schieb das Blatt zwischen Mittel- und Masseelektrode. Bei einer neuen Kerze mit flacher Masseelektrode ist die Flachlehre genau genug. Bei einer gelaufenen Kerze hat die Mittelelektrode eine abgerundete Kante, dann misst das flache Blatt zu klein. Für gebrauchte Kerzen ist eine Drahtlehre besser, für die Werkstatt reicht in der Regel die Flachlehre mit neuen Kerzen.
Zum Verstellen biegst du immer die Masseelektrode, nie die Mittelelektrode. Die Mittelelektrode sitzt im Isolator, und der bricht bei seitlicher Belastung. Biege in kleinen Schritten und miss nach jedem Schritt. Zum Vergrößern hebelst du vorsichtig mit dem Fächer der Fühlerlehre unter der Masseelektrode, zum Verkleinern tippst du die Elektrode auf einer harten Unterlage leicht an.
Der Kontaktabstand wird bei ganz geöffnetem Unterbrecher gemessen. Dreh die Kurbelwelle, bis das Gleitstück des Unterbrechers auf dem höchsten Punkt des Nockens steht. Erst dann schiebst du das Blatt zwischen die Kontakte.
Die Kontaktflächen müssen sauber und eben sein. Verbrannte oder kraterförmige Kontakte messen falsch, weil das Blatt auf dem Rand des Kraters aufliegt. Reinige die Flächen mit einer Messingbürste oder einer Kontaktfeile und zieh am Ende ein Stück trockenes Papier durch die geschlossenen Kontakte, um Staub zu entfernen. Ölige Finger am Blatt hinterlassen einen Film auf dem Kontakt, der die Zündung stört.
Der Kontaktabstand verändert den Zündzeitpunkt. Ein größerer Abstand lässt den Kontakt früher öffnen. Stell deshalb immer zuerst den Abstand ein und prüfe danach den Zündzeitpunkt mit Gradscheibe und Prüflampe.
Bei der Schwungmagnetzündung liegt zwischen den Polschuhen der Spulen und dem umlaufenden Polrad ein schmaler Luftspalt. Bosch nennt für den Abstand zwischen Anker und Polschuh mindestens 0,25 bis 0,35 mm. In der Praxis wird an Hercules, Zündapp und Kreidler mit dem Blatt 0,40 mm eingestellt. Zu groß, und die Spule liefert zu wenig Spannung. Zu klein, und das Polrad schleift bei Lagerspiel oder Wärme an den Polschuhen.
Gemessen wird zwischen Polschuh und Polrad, wenn ein Magnetpol genau über dem Polschuh steht. Ohne Polrad nimmst du den Zentrierring 79,8 mm. Er ersetzt das Polrad als Anschlag, und du richtest die Spulen mit dem 0,40-mm-Blatt am Ring aus. Den kompletten Ablauf beschreibt der Ratgeber Zündspule und Lichtspule einstellen.
Die Magnete im Polrad ziehen das Stahlblatt der Fühlerlehre an. Halte das Blatt fest, sonst rutscht es und klemmt zwischen Polrad und Polschuh. Ein verbogenes oder abgebrochenes Blatt in der Anlage zerstört beim ersten Start die Spulen.
Ventilspiel wird bei kaltem Motor gemessen, sofern das Werkstatthandbuch nichts anderes sagt. Warme Bauteile dehnen sich aus und verändern das Spiel.
Zündkerze herausdrehen und die Kurbelwelle drehen, bis der Kolben im OT steht und beide Ventile geschlossen sind. Im Verdichtungstakt haben beide Kipphebel Spiel und lassen sich leicht bewegen.
Schieb das Blatt mit dem Sollmaß laut Handbuch zwischen Ventilschaftende und Einstellschraube oder Kipphebel. Es muss saugend gehen. Prüfe mit dem nächstgrößeren Blatt gegen.
Kontermutter lösen, Einstellschraube drehen, bis das Blatt saugend gleitet, Kontermutter anziehen. Beim Kontern verstellt sich die Schraube oft. Nach dem Anziehen noch einmal messen.
Denselben Ablauf am zweiten Ventil wiederholen. Einlass und Auslass können verschiedene Werte haben. Beide stehen im Handbuch.
Eine Fühlerlehre misst nur so genau, wie ihre Blätter eben sind. Ein geknicktes Blatt ist Ausschuss. Rost verdickt das Blatt, Grat an den Kanten hakt im Spalt. Wisch die Blätter nach dem Gebrauch ab, öl sie hauchdünn ein und wisch das Öl vor der nächsten Messung wieder weg. Ölfilm zwischen Blatt und Werkstück verfälscht das Maß.
Bewahr den Fächer geschlossen auf, damit die Blätter nicht verbiegen. Das Einzelblatt gehört in eine Hülle oder in das Fach des Bordwerkzeugs. Passende Anzugswerte für die Kontermuttern und Schrauben rund um Ventiltrieb und Grundplatte findest du in der Tabelle der Anzugsmomente, die Schlüsselweiten in der Tabelle der Schlüsselweiten.
Vor jeder Messung das Blatt durch ein trockenes Tuch ziehen und den Spalt mit Bremsenreiniger säubern. Der häufigste Messfehler ist nicht das Werkzeug, sondern eine Schicht Öl oder Staub auf einer der Flächen.
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Das Blatt gleitet mit leichtem, gleichmäßigem Widerstand durch den Spalt, ohne zu klemmen und ohne frei zu rutschen. Zur Kontrolle darf das nächstgrößere Blatt nicht mehr passen.
Ja, zwei Blätter sind in Ordnung. Ihre Dicken addieren sich. Mehr als zwei solltest du vermeiden, weil sich die Toleranzen und der Schmutz zwischen den Blättern summieren.
Ein größerer Abstand lässt den Unterbrecher auf dem Nocken früher öffnen. Deshalb wird immer zuerst der Kontaktabstand eingestellt und dann der Zündzeitpunkt geprüft.
Bei neuen Kerzen mit flacher Masseelektrode ja. Bei gelaufenen Kerzen mit abgerundeter Mittelelektrode misst das flache Blatt zu klein, dort ist eine Drahtlehre genauer.
Nach dem Gebrauch abwischen, hauchdünn ölen und geschlossen lagern. Vor der Messung das Öl wieder abwischen. Geknickte oder rostige Blätter ersetzt du.