
Polradabzieher M22x1,5 / M26x1,5
Für Bosch- und Ducati-Zündungen an Zündapp, Hercules, Kreidler, Puch, KTM, DKW, Rixe, Sachs
Datenblatt ansehen →Anleitung · polrad abziehen
Das Polrad sitzt auf dem Konus der Kurbelwelle. Es hält dort nicht durch die Mutter, sondern durch die Reibung zwischen zwei sauber aufeinander gepressten Kegelflächen. Genau deshalb bekommst du es mit Schraubendreher, Hebel oder Hammer nicht zerstörungsfrei herunter. Der Polradabzieher ist das einzige Werkzeug, das die Kraft dort einleitet, wo sie hingehört: zentrisch auf das Wellenende.
Hier liest du, wie der Konus arbeitet, wie du das passende Gewinde bestimmst, wie das Abziehen Schritt für Schritt abläuft und was passiert, wenn du es ohne Abzieher versuchst.
Ohne AbzieherMit Abzieher
Vergleich: Schieber ziehen. Links, was Hammer und Hebel anrichten, rechts der Abzieher.
Kurbelwellenstumpf und Polradnabe sind beide kegelig geschliffen. Ziehst du die Polradmutter an, drückt sie das Polrad auf den Konus. Die Kegelflächen verkeilen sich, und der Reibschluss überträgt das Drehmoment. Die Mutter hält das Polrad nur in Position, sie überträgt selbst keine Kraft in Drehrichtung.
Die kleine halbmondförmige Scheibenfeder in der Nut des Wellenstumpfs hat eine andere Aufgabe. Sie legt die Winkelstellung des Polrads zur Kurbelwelle fest, damit der Zündzeitpunkt stimmt. Für die Kraftübertragung ist sie nicht gebaut. Ist der Konus nicht sauber gepresst, schert die Scheibenfeder ab, und der Zündzeitpunkt wandert.
Nach Jahren im Betrieb sitzt der Konus oft fester als am ersten Tag. Feuchtigkeit, Korrosion und Temperaturwechsel verbinden die beiden Flächen. Dann brauchst du eine hohe, gleichmäßig aufgebaute Axialkraft, um den Sitz zu lösen. Genau das liefert der Abzieher.
Wer hinter dem Polrad mit zwei Schraubendrehern hebelt, leitet die Kraft am Rand ein, nicht in der Mitte. Das Polrad kippt auf dem Konus, verkantet und bekommt Höhenschlag. Ein verzogenes Polrad läuft unrund, der Luftspalt zu den Spulen stimmt nicht mehr, und im schlimmsten Fall schleift es an den Polschuhen. Die Magnete sind spröde. Ein Schlag auf den Rand kann sie lösen oder brechen.
Ein Hammerschlag auf das Wellenende trifft direkt die Kurbelwelle. Die Kurbelwelle eines Zweitakters ist gepresst, nicht aus einem Stück. Hubzapfen und Wangen können sich verdrehen. Dann läuft die Welle nicht mehr rund, die Lager leiden, und der Motor vibriert. Dazu staucht der Schlag das Gewinde am Wellenende. Eine gestauchte Mutter lässt sich später weder sauber lösen noch anziehen.
Niemals mit dem Hammer direkt auf den Kurbelwellenstumpf schlagen. Schläge gehen ungebremst in die Lager und in die gepresste Kurbelwelle. Ein Schaden ist von außen nicht zu sehen, aber im Lauf sofort zu spüren.
Der Abzieher greift in ein Gewinde am Polrad. Bei den meisten Anlagen ist das ein Außengewinde an der Nabe, der Abzieher hat dann das Innengewinde. Bevor du ein Werkzeug kaufst, misst du den Außendurchmesser mit dem Messschieber und prüfst die Steigung mit einer Gewindelehre. Ohne Lehre hilft der Gewinde-Finder, die Gewindetabelle listet die Maße.
| Gewinde | Zündanlage | Typische Fahrzeuge | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| M17x1 | Piaggio | Vespa Ciao, Bravo, SI | Polradabzieher M17x1 |
| M22x1,5 und M26x1,5 | Bosch, Ducati | Zündapp, Kreidler, Hercules, Puch | Polradabzieher M22 / M26 |
| M27x1,25 rechts | Ducati | Hercules, Garelli, Malaguti | Polradabzieher M27x1,25 |
M22 und M26 unterscheiden sich im Durchmesser deutlich, die Steigung ist gleich. M26x1,5 und M27x1,25 liegen dagegen nur einen Millimeter auseinander und haben verschiedene Steigungen. Ein M26-Abzieher auf einem M27-Gewinde greift nur mit Gewalt und zerstört beide Gewinde. Miss also immer, statt zu raten. Wenn du das Fahrzeug kennst, führt dich auch der Werkzeugfinder zum passenden Abzieher.
Dreh die Kerze mit dem Zündkerzenschlüssel heraus. Ohne Kompression lässt sich die Kurbelwelle frei drehen, und du merkst sofort, ob sich beim Lösen etwas verspannt.
Halte das Polrad mit einem Bandschlüssel oder einem passenden Halter fest. Alternativ legst du einen Gang ein und lässt die Hinterradbremse ziehen. Löse die Mutter, nimm Mutter und Scheibe ab und reinige das Gewinde am Polrad mit einer Messingbürste.
Dreh die Druckspindel ganz zurück. Schraub den Abzieher von Hand auf das Polradgewinde, bis er anliegt. Er muss die volle Gewindelänge fassen. Ein Abzieher, der nur zwei Gänge greift, reißt das Gewinde aus der Nabe.
Dreh die Druckspindel von Hand ein, bis sie zentrisch auf dem Wellenende steht. Prüfe, dass sie sauber in der Zentrierbohrung sitzt und nicht schräg am Rand aufliegt.
Halte den Abzieher mit einem Schlüssel gegen und zieh die Spindel mit dem zweiten Schlüssel an. Steiger die Kraft gleichmäßig. Meist löst sich der Konus mit einem hörbaren Knack. Löst er sich nicht, lässt du die Spannung stehen und gibst einen kurzen Schlag mit dem Hammer auf den Spindelkopf. Der Impuls geht über die Spindel axial in die Welle und löst den Sitz.
Schraub den Abzieher ab, nimm das Polrad ab und sichere sofort die Scheibenfeder. Sie fällt gern in das Gehäuse. Leg das Polrad mit den Magneten nach oben auf eine saubere Unterlage, damit keine Späne daran haften.
Im Netz kursieren zwei Methoden. Beide funktionieren gelegentlich, beide haben ein reales Risiko. Du solltest wissen, was du tust.
Wärme. Das Polrad wird mit einem Heißluftgebläse an der Nabe erwärmt. Aluminium und Stahl dehnen sich unterschiedlich aus, und die Nabe soll sich vom Konus lockern. Das Problem: Die Wärme geht auch in die Magnete, die Spulen und den Wellendichtring dahinter. Dauermagnete verlieren bei zu hoher Temperatur Magnetkraft, Isolierlack an Spulen wird weich, und der Wellendichtring verhärtet. Außerdem löst Wärme allein den Konus nicht, du brauchst weiterhin Axialkraft.
Schlag auf die Mutter. Die Polradmutter wird bündig aufgeschraubt, jemand zieht das Polrad nach außen, ein zweiter schlägt mit dem Kunststoffhammer auf die Mutter. Das löst den Konus tatsächlich manchmal. Der Schlag geht aber ungebremst in Gewinde, Kurbelwelle und Lager. Bei einem Polrad, das nach Jahren fest sitzt, reicht die Kraft ohnehin nicht, und du schlägst immer härter. Genau dann entstehen die Schäden, die im Abschnitt oben beschrieben sind.
Ehrlich gesagt: Bei einem leicht sitzenden Polrad, das erst kürzlich montiert wurde, kann die Mutter-Methode ohne Folgen gehen. Bei einem Polrad, das seit zwanzig Jahren nicht ab war, geht es ohne Abzieher nicht. Rechne die Kosten für eine Kurbelwelle gegen die Kosten für das Werkzeug, dann ist die Entscheidung einfach.
Reinige Konus und Nabe mit einem fusselfreien Tuch und Bremsenreiniger. Beide Flächen müssen trocken und fettfrei sein, sonst rutscht der Reibschluss. Prüfe den Konus auf Riefen und Rostnarben. Leichte Spuren kannst du mit feinem Schleifvlies glätten, tiefe Riefen sind ein Fall für den Fachbetrieb.
Prüfe die Scheibenfeder. Sie darf keine Abscherspuren haben und muss ohne Spiel in der Nut sitzen. Eine beschädigte Feder wird ersetzt, nie nachgefeilt. Setz das Polrad so auf, dass die Nut in der Nabe genau über der Feder steht, und drück es von Hand auf den Konus.
Die Polradmutter wird mit dem Drehmoment laut Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs angezogen. Zu wenig Drehmoment, und das Polrad arbeitet auf dem Konus, bis die Feder abschert. Zu viel, und das Gewinde leidet. Der Drehmomentrechner hilft beim Umrechnen, die Tabelle der Anzugsmomente gibt allgemeine Richtwerte für Gewindegrößen.
Markiere vor dem Abziehen die Stellung von Polrad und Grundplatte mit einem Körnerpunkt oder einem Strich Lackstift. Wenn du die Grundplatte nicht bewegst, sitzt der Zündzeitpunkt nach dem Zusammenbau wieder wie vorher. Eine Kontrolle mit Gradscheibe und Prüflampe ist trotzdem sinnvoll.
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Datenblatt ansehen →Miss den Außendurchmesser des Gewindes an der Nabe mit dem Messschieber und prüfe die Steigung mit einer Gewindelehre. M17x1 gehört zu Piaggio Ciao, Bravo und SI. M22x1,5 und M26x1,5 sind Bosch und Ducati an Zündapp, Kreidler, Hercules und Puch. M27x1,25 rechts findest du an Ducati-Anlagen von Hercules, Garelli und Malaguti.
Wärme allein löst den Konus nicht, du brauchst trotzdem Axialkraft. Sie belastet außerdem Magnete, Spulen und Wellendichtring. Als Ergänzung zum Abzieher bei einem sehr festen Sitz kann leichte Wärme an der Nabe helfen, als Ersatz für den Abzieher nicht.
Spannung auf der Spindel stehen lassen und einen kurzen Hammerschlag auf den Spindelkopf geben. Der Impuls löst den Konus meist sofort. Wenn nicht, Spindel etwas nachziehen, kurz warten und den Schlag wiederholen. Nicht die Kraft an der Spindel endlos steigern.
Nein. Konus und Nabe werden trocken und fettfrei montiert. Fett auf dem Konus verringert die Reibung, das Polrad kann auf der Welle arbeiten und die Scheibenfeder abscheren.
Nicht, solange die Scheibenfeder intakt ist und die Grundplatte nicht bewegt wurde. Die Feder legt die Stellung des Polrads zur Kurbelwelle fest. Prüfe den Zündzeitpunkt nach dem Zusammenbau trotzdem mit Gradscheibe und Prüflampe.