
Gradscheibe 120 mm
Zündzeitpunkt und Steuerzeiten in Grad messen, Bohrung 6 mm, Polystyrol 0,8 mm
Datenblatt ansehen →Anleitung · zündzeitpunkt einstellen
Der Zündzeitpunkt bestimmt, wann der Funke im Verhältnis zur Kolbenstellung überspringt. Ein paar Grad zu früh, und der Motor klingelt und wird heiß. Ein paar Grad zu spät, und er zieht nicht und verbraucht mehr. Mit Gradscheibe und Prüflampe misst du den Öffnungspunkt des Unterbrechers exakt in Grad vor dem oberen Totpunkt, ohne Messuhr und ohne Umrechnung.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du den oberen Totpunkt sicher findest, die Gradscheibe montierst, den Öffnungspunkt mit der Prüflampe bestimmst und wie das Verhältnis zwischen Grad und Millimetern grundsätzlich funktioniert.
Ziehen zum Drehen · Zeiger am Gehäuse · Rastung 5°
Interaktive Gradscheibe: ziehen, Rastung alle 5 Grad.
Bei einer Unterbrecherzündung entsteht der Funke in dem Moment, in dem der Unterbrecherkontakt öffnet. Der Stromfluss durch die Primärwicklung bricht ab, das Magnetfeld fällt zusammen, und in der Sekundärwicklung entsteht die Hochspannung. Der Zündzeitpunkt ist also der Öffnungspunkt des Kontakts, angegeben als Kurbelwinkel vor dem oberen Totpunkt (OT) oder als Kolbenweg in Millimetern vor OT.
Zwei Größen beeinflussen den Öffnungspunkt: die Stellung der Grundplatte und der Kontaktabstand. Ein größerer Abstand lässt den Kontakt früher öffnen, ein kleinerer später. Deshalb stellst du immer zuerst den Kontaktabstand ein und erst danach den Zündzeitpunkt. Wie du den Abstand mit der Fühlerlehre misst, steht im Ratgeber Fühlerlehre richtig nutzen.
Der obere Totpunkt ist der Bezugspunkt für alles Weitere. Findest du ihn nur ungefähr, ist die ganze Messung ungefähr. Das Problem: Im Umkehrpunkt bewegt sich der Kolben über einige Grad Kurbelwinkel fast nicht. Wer mit dem Schraubendreher im Kerzenloch den höchsten Punkt fühlt, liegt schnell mehrere Grad daneben.
Sicher ist die Methode über zwei symmetrische Punkte. Du wählst eine Kolbenstellung deutlich vor OT, zum Beispiel mit einer Messuhr im Kerzenloch oder einem Kolbenstopper, und liest den Wert auf der Gradscheibe ab. Dann drehst du die Kurbelwelle in Gegenrichtung, bis der Kolben auf der anderen Seite dieselbe Stellung erreicht, und liest erneut ab. Der OT liegt genau in der Mitte zwischen beiden Werten. Diese Methode ist unabhängig davon, wie flach die Kolbenbewegung im Umkehrpunkt ist.
Wer eine Messuhr hat, sucht mit ihr zusätzlich den höchsten Punkt und vergleicht ihn mit der Mitte aus der Zweipunktmethode. Stimmen beide überein, ist die Scheibe richtig gestellt.
Die Gradscheibe mit 120 mm Durchmesser hat eine 6-mm-Bohrung und passt damit auf viele Wellenenden oder auf eine passende Hilfsschraube in der Polradmutter. Der große Durchmesser ist kein Zufall: Bei 120 mm liegen die Gradstriche am Rand weit genug auseinander, um ein Grad sauber ablesen zu können. Eine kleinere Scheibe wäre ungenauer.
Die Scheibe muss sich mit der Kurbelwelle drehen, ohne durchzurutschen. Je nach Motor klemmst du sie unter die Polradmutter, setzt sie mit einer Schraube in das Gewinde des Wellenendes oder befestigst sie mit einer passenden Hülse. Wichtig ist nur, dass sie zentrisch läuft und beim Drehen nicht verrutscht.
Der Zeiger besteht aus einem Stück Draht von rund 2 mm Stärke. Klemm ihn unter eine Gehäuseschraube und bieg die Spitze dicht an den Rand der Scheibe. Je näher der Zeiger an der Skala steht, desto genauer liest du ab. Die deutsche Ausführung der Gradscheibe hat dieselben Maße und dieselbe Teilung.
Die Prüflampe für 6 bis 24 Volt zeigt dir, wann der Kontakt öffnet. Die Schaltung hängt von der Anlage ab.
In beiden Fällen ist der Moment des Umschaltens der Öffnungspunkt. Dreh die Kurbelwelle langsam in Laufrichtung und beobachte die Lampe. Dreh nie zurück, um den Punkt erneut zu finden. Das Spiel in Lagern und Scheibe verfälscht sonst die Ablesung. Geh stattdessen eine ganze Umdrehung weiter und nähere dich erneut in Laufrichtung.
Ein Streifen dünnes Zigarettenpapier zwischen den Kontakten ersetzt die Lampe im Notfall. Zieh leicht am Papier, während du die Welle drehst. Sobald es frei kommt, öffnet der Kontakt. Die Lampe ist genauer, weil sie den elektrischen Kontakt zeigt, nicht den mechanischen.
Dreh die Kurbelwelle, bis der Unterbrecher ganz geöffnet ist, und miss den Abstand mit der Fühlerlehre. Stell ihn auf den Wert laut Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs ein. Erst danach geht es an den Zündzeitpunkt.
Scheibe zentrisch auf das Wellenende, Zeiger unter eine Gehäuseschraube klemmen und dicht an die Skala biegen. Prüfe, dass sich die Scheibe beim Drehen nicht verstellt.
Nutze die Zweipunktmethode aus dem Abschnitt oben. Dreh die Scheibe so, dass der Zeiger bei OT auf 0 steht. Ab jetzt darf sich die Scheibe auf der Welle nicht mehr bewegen.
Schließ die Lampe passend zu deiner Anlage an. Prüfe die Funktion, indem du die Welle einmal ganz durchdrehst. Die Lampe muss genau einmal umschalten.
Dreh die Welle langsam in Laufrichtung, bis die Lampe umschaltet. Lies den Wert am Zeiger ab. Das ist dein aktueller Zündzeitpunkt in Grad vor OT.
Weicht der Wert vom Sollwert ab, löst du die Schrauben der Grundplatte leicht und verdrehst sie. Drehen gegen die Laufrichtung des Polrads macht die Zündung früher, in Laufrichtung später. Schrauben anziehen, Messung wiederholen.
Miss nach dem Festziehen noch einmal. Beim Anziehen der Schrauben wandert die Grundplatte gern ein Stück. Erst wenn zwei Messungen hintereinander denselben Wert zeigen, bist du fertig.
Viele Handbücher geben den Zündzeitpunkt in Millimetern vor OT an, andere in Grad. Beide beschreiben denselben Punkt, nur mit verschiedenen Maßstäben. Der Zusammenhang hängt von zwei Motorgrößen ab: dem Hub und der Pleuellänge. Deshalb gibt es keine allgemeine Umrechnungstabelle, die für alle Motoren gilt.
Das Prinzip: Der Kurbelradius r ist der halbe Hub. Bei einem Kurbelwinkel a vor OT liegt der Kolben um den Weg s unter dem OT. Dieser Weg setzt sich aus zwei Anteilen zusammen. Der erste ist der Anteil der Kurbel, r mal (1 minus cos a). Der zweite ist der Anteil des Pleuels, das sich mit dem Winkel schräg stellt: Pleuellänge l minus die Wurzel aus (l zum Quadrat minus r zum Quadrat mal sin a zum Quadrat). Beide Anteile addiert ergeben den Kolbenweg s.
Die Formel zeigt, warum Millimeterangaben nahe OT heikel sind. Im Bereich um den Totpunkt ändert sich der Kolbenweg pro Grad nur minimal. Ein Zehntel Millimeter Messfehler kann dort mehrere Grad ausmachen. Die Gradscheibe misst den Winkel direkt und ist von der Kolbenbewegung unabhängig. Deshalb ist sie in der Werkstatt die genauere Methode. Hub und Pleuellänge deines Motors findest du im Werkstatthandbuch.
Bei Batteriezündung nie die Zündung längere Zeit mit geschlossenem Kontakt eingeschaltet lassen. Die Zündspule wird dabei dauerhaft von Strom durchflossen und kann überhitzen. Nach der Messung sofort ausschalten.
Aus dem Sortiment

Zündzeitpunkt und Steuerzeiten in Grad messen, Bohrung 6 mm, Polystyrol 0,8 mm
Datenblatt ansehen →
Kunststoff-Gradscheibe, 6 mm Bohrung, Made in Germany
Datenblatt ansehen →
Prüfspitze und Masseklemme, für Unterbrecher-Öffnungspunkt und Elektrik
Datenblatt ansehen →
Einzelblatt für Unterbrecherabstand und Luftspalt an Zünd- und Lichtspulen
Datenblatt ansehen →Die Markierungen sind ab Werk gesetzt und stimmen nur, wenn Polrad, Scheibenfeder und Grundplatte original sind. Nach Reparaturen oder bei Ersatzteilen liegst du damit schnell daneben. Die Gradscheibe misst am Kurbelwinkel selbst.
Nicht zwingend. Den OT findest du auch mit einem Kolbenstopper über die Zweipunktmethode. Eine Messuhr macht die Kontrolle bequemer und erlaubt zusätzlich, den Kolbenweg in Millimetern zu vergleichen.
Kabel von der Zündspule zum Unterbrecher abklemmen und eine kleine Batterie in Reihe mit der Lampe zwischen Unterbrecheranschluss und Masse schalten. Leuchtet die Lampe, ist der Kontakt geschlossen. Geht sie aus, öffnet er.
Gegen die Laufrichtung des Polrads wird die Zündung früher, in Laufrichtung später. Nach jeder Verstellung die Schrauben anziehen und neu messen, weil die Platte beim Anziehen wandern kann.
Nur mit Hub und Pleuellänge deines Motors, weil beide in die Formel eingehen. Eine allgemeine Tabelle gibt es nicht. Die Werte stehen im Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs.