
Radnabenschlüssel 17 mm
Hakenschlüssel für Sachs-Radnaben mit Gegenhalteöffnung für die Achse
Datenblatt ansehen →Anleitung · drehmoment tabelle
Jede Drehmoment-Tabelle nennt Werte in Newtonmeter. Was der Wert bedeutet, warum ein geöltes Gewinde ihn verändert und was passiert, wenn du einen Hakenschlüssel als Verlängerung an den Drehmomentschlüssel hängst, wissen viele Schrauber nur ungefähr. Das führt zu abgerissenen Stehbolzen und ausgerissenen Aluminiumgewinden.
Dieser Ratgeber erklärt das Prinzip hinter dem Anzugsmoment, die Bauarten von Drehmomentschlüsseln, den Einfluss von Reibung und Schmierung, die Formel für Verlängerungen und die Festigkeitsklassen 8.8 und 10.9. Am Ende weißt du, was du bei Alu-Gewinden und beim Radnabenschlüssel beachten musst.
Das Drehmoment ist Kraft mal Hebelarm. Ein Newtonmeter entsteht, wenn du mit einer Kraft von einem Newton an einem Hebel von einem Meter Länge ziehst. Ein Kilogramm Masse übt auf der Erde etwa 9,81 Newton Gewichtskraft aus. Hängst du also 1 kg an einen waagerechten Hebel von einem Meter, bekommst du rund 10 Nm. Hältst du einen 20 cm langen Schlüssel und ziehst mit 50 N, also etwa 5 kg, ergibt das 10 Nm.
Beim Anziehen einer Schraube ist das Drehmoment nur ein Hilfsmaß. Was du willst, ist Vorspannkraft: Die Schraube wird wie eine Feder gedehnt und presst die Teile zusammen. Diese Kraft lässt sich in der Werkstatt nicht messen, das Drehmoment schon. Die Tabellenwerte sind so gewählt, dass die Schraube etwa zu 70 bis 90 Prozent ihrer Streckgrenze vorgespannt wird.
Nur etwa ein Zehntel des Moments geht in die Dehnung der Schraube. Der Rest wird unter dem Kopf und im Gewinde in Reibung umgesetzt. Deshalb spielt Schmierung eine so große Rolle.
| Bauart | Funktion | Für die Werkstatt |
|---|---|---|
| Knickschlüssel | Kopf knickt beim Erreichen des Werts spürbar ab | Gut ablesbar, robust, verlangt Übung beim Nachjustieren |
| Signalschlüssel (auslösend) | Rastet mit hörbarem Klick aus, Feder stellt den Wert ein | Standard in der Werkstatt, nach Gebrauch auf niedrigsten Wert zurückstellen |
| Balkenschlüssel | Zeiger auf Skala zeigt die Biegung des Balkens | Einfach, keine Verstellmechanik, lässt sich schlecht ablesen in engen Räumen |
| Elektronischer Schlüssel | Dehnmessstreifen, Anzeige mit Signalton | Genau, misst auch Drehwinkel, batterieabhängig |
Der Schlüssel ist nur so genau wie seine Kalibrierung. Ein Signalschlüssel, der unter Spannung im Schrank liegt, verliert Federkraft. Dreh ihn nach jeder Benutzung auf den kleinsten Wert zurück. Zieh langsam, bis er auslöst, und hör dann auf.
Für den Mopedmotor brauchst du meist zwei Bereiche: einen kleinen Schlüssel für M5 und M6 im Aluminium und einen mittleren für Achs-, Polrad- und Kupplungsmuttern. Im unteren Fünftel seines Bereichs arbeitet ein Schlüssel ungenau.
Die Werte in einer Drehmoment-Tabelle gelten für einen bestimmten Reibungszustand. Die Standardtabellen für metrische Schrauben setzen ein leicht geöltes oder schwarz vergütetes Gewinde voraus. Ein trockenes, rostiges Gewinde hat mehr Reibung: Beim gleichen Moment entsteht weniger Vorspannkraft. Ein mit Fett oder Kupferpaste geschmiertes Gewinde hat weniger Reibung: Beim gleichen Moment entsteht deutlich mehr Vorspannkraft, im Extremfall reißt die Schraube oder das Gewinde.
Praxisregel: Halte dich an den Zustand, den der Hersteller vorgibt. Steht im Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs nichts dazu, ziehst du sauber und leicht geölt an. Mit Kupferpaste oder Schraubensicherung senkst du das Moment, viele Hersteller nennen 10 bis 20 Prozent. Bei Zündkerzen ist die Teilumdrehungsregel sicherer, wie in Zündkerze wechseln und Kerzenbild lesen beschrieben.
Auch die Gewindesteigung spielt mit. Metrisches Regelgewinde: M6 mit 1,0 mm, M8 mit 1,25 mm, M10 mit 1,5 mm, M12 mit 1,75 mm. Feingewinde erzeugt beim gleichen Moment mehr Vorspannkraft und steht deshalb mit eigenen Werten in der Tabelle. Alle Steigungen findest du in der Gewindetabelle, unbekannte Gewinde bestimmst du mit dem Gewinde-Finder.
Auf dem Kopf jeder genormten Stahlschraube ab M5 steht die Festigkeitsklasse, zum Beispiel 8.8 oder 10.9. Die beiden Zahlen verraten die Werkstoffkennwerte:
Die Streckgrenze ist die Spannung, ab der sich die Schraube bleibend dehnt. Eine 10.9-Schraube verträgt also rund 40 Prozent mehr Vorspannkraft als eine 8.8 gleicher Größe und bekommt in der Tabelle ein entsprechend höheres Moment. Umgekehrt gilt: Ziehst du eine 8.8-Schraube mit dem 10.9-Wert an, überschreitest du die Streckgrenze. Die Schraube dehnt sich bleibend, verliert Vorspannung und reißt beim nächsten Anziehen.
Schrauben ohne Aufdruck behandelst du wie 8.8 oder darunter. Muttern tragen eine einzelne Zahl: Mutter 8 zu Schraube 8.8, Mutter 10 zu Schraube 10.9. Die Schlüsselweiten nach ISO 272 stehen in der Schlüsselweiten-Tabelle: M6 SW10, M8 SW13, M10 SW16 oder SW17 alt, M12 SW18 oder SW19 alt. An älteren Fahrzeugen triffst du die alten Schlüsselweiten an.
Manche Muttern erreichst du nur mit einem Hakenschlüssel oder einem Aufsteckschlüssel, der die Länge des Drehmomentschlüssels verändert. Ein Beispiel ist der Radnabenschlüssel 17 mm für Sachs-Naben, der als Hakenschlüssel auf die Nutmutter greift und mit einer Nuss am Drehmomentschlüssel angetrieben wird.
Der Drehmomentschlüssel misst das Moment an seinem Kopf. Verlängert ein Aufsatz den Hebelarm in Richtung Griff, entsteht an der Schraube ein größeres Moment, als der Schlüssel anzeigt. Du musst den Schlüssel also auf einen kleineren Wert einstellen:
M_einstellen = M_soll x L / (L + E)
L = Länge des Drehmomentschlüssels von der Mitte des Griffs bis zur Mitte des Vierkants. E = Länge des Aufsatzes von der Mitte des Vierkants bis zur Mitte der Schraube, gemessen in Richtung des Schlüssels.
Rechenbeispiel: Schlüssel 400 mm Wirklänge, Aufsteckschlüssel 80 mm, Sollmoment 60 Nm. Dann gilt M_einstellen = 60 x 400 / (400 + 80) = 50 Nm. Du stellst 50 Nm ein und bekommst an der Mutter 60 Nm.
Sonderfälle: Steht der Aufsatz im rechten Winkel zum Schlüssel, stellst du den Sollwert ein. Zeigt er zum Griff zurück, wird E negativ, und du stellst einen höheren Wert ein. Eine senkrechte Steckschlüsselverlängerung zwischen Vierkant und Nuss ändert das Moment nicht.
Den Wert für deinen Aufsatz berechnet der Drehmoment-Rechner, wenn du L, E und das Sollmoment eingibst.
Wer den Hakenschlüssel in Schlüsselrichtung aufsteckt und den Sollwert einstellt, zieht die Mutter zu fest. Bei einer Nutmutter auf dem Radlager bedeutet das ein vorgespanntes Lager, das nach wenigen Kilometern heiß läuft.
Motorgehäuse, Zylinderköpfe und Deckel an Mopedmotoren bestehen aus Aluminiumguss. Das Gewinde im Aluminium ist deutlich schwächer als die Stahlschraube darin. Der Tabellenwert für 8.8 gilt für ein Stahlgegengewinde und ist im Alu zu hoch. Die Tabellen für Aluminium nennen deshalb niedrigere Werte.
Für Stiftschrauben im Aluminium gilt: Die Mutter ziehst du nach Tabelle an, den Stift selbst schraubst du nur handfest ein. Zieh im Warmzustand nichts nach: Das Aluminium hat sich ausgedehnt, und die Vorspannung liegt höher als kalt.
Ziehst du eine Schraube im Alu an und das Moment steigt nicht mehr, sondern die Schraube dreht weich weiter, sofort aufhören. Das Gewinde gibt nach. Eine Umdrehung zurück, Schraube raus und das Gewinde mit einem Gewindeeinsatz reparieren, bevor es komplett ausreißt.
Nimm den Wert aus dem Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs. Gibt es keinen, nimmst du den Wert je Gewindegröße und Festigkeitsklasse aus der Anzugsmomente-Tabelle, bei Aluminium den reduzierten Wert.
Gewinde sauber, unbeschädigt und nach Herstellervorgabe trocken oder leicht geölt. Bei Schraubensicherung oder Paste das Moment reduzieren.
Stell den Sollwert ein. Bei Aufsatz in Schlüsselrichtung rechnest du mit der Formel oder dem Drehmoment-Rechner um.
Bei mehreren Schrauben an einem Bauteil, etwa Zylinderkopf oder Gehäusehälften, ziehst du über Kreuz in mindestens zwei Stufen an: erst alle mit etwa der Hälfte des Werts, dann alle mit dem vollen Wert.
Zieh gleichmäßig, ohne Ruck, mit der Hand mittig am Griff. Nach dem Klick aufhören. Kein zweiter Klick.
Verbindungen mit Dichtungen setzen sich nach dem ersten Warmlauf. Kalt noch einmal mit dem Sollwert prüfen.
Welche Werkzeuge du für dein Modell brauchst, zeigt der Werkzeugfinder. Die Zündkerze ziehst du mit dem Zündkerzenschlüssel 21 mm nach der Teilumdrehungsregel an. Bei Achs-, Kopf- und Nutmuttern gilt: Drehmomentschlüssel, nicht Gefühl.
Aus dem Sortiment

Hakenschlüssel für Sachs-Radnaben mit Gegenhalteöffnung für die Achse
Datenblatt ansehen →
Rohrschlüssel mit Griff für Kerzen mit 21-mm-Sechskant
Datenblatt ansehen →Newtonmeter ist Kraft mal Hebelarm. 10 Nm entsprechen etwa 1 kg an einem Meter Hebel oder 5 kg an 20 cm. Das Moment ist das messbare Maß für die Vorspannkraft, die die Schraube erzeugt.
Nur, wenn der Aufsatz den Hebel in Schlüsselrichtung verlängert. Dann gilt M_einstellen = M_soll x L / (L + E). Eine senkrechte Steckschlüsselverlängerung ändert nichts.
Die Festigkeitsklasse. Erste Zahl mal 100 ist die Zugfestigkeit, hier 800 N/mm². Erste mal zweite Zahl mal 10 ist die Streckgrenze, hier 640 N/mm². 10.9 ist entsprechend fester und darf höher angezogen werden.
Nur, wenn der Hersteller es vorgibt. Geschmierte Gewinde haben weniger Reibung und erzeugen beim gleichen Moment mehr Vorspannkraft. Ohne Korrektur des Werts reißt du die Schraube ab oder das Gewinde aus.
Deutlich weniger als für Stahl. Nimm den Wert aus dem Werkstatthandbuch deines Fahrzeugs oder den reduzierten Wert für Aluminium aus unserer Anzugsmomente-Tabelle.
Beim zweiten Klick überwindet der Schlüssel erst die Haftreibung, bevor er auslöst. Die Schraube wird dabei über den Sollwert hinaus angezogen.